MeMo:KI – Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz

Beobachtung der Bevölkerungsmeinung und Berichterstattung über Künstliche Intelligenz in Deutschland
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Das Projekt „Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz“ (MeMo:KI) beobachtet dauerhaft und verlässlich den öffentlichen Diskurs zu Künstlicher Intelligenz über monatliche Bevölkerungsbefragungen, Analysen der Medienberichterstattung sowie der Kommunikation über KI auf Twitter.

Was denkt die Bevölkerung über Künstliche Intelligenz?

Wie berichten Medien über KI?

Sind Menschen eher für oder gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz? Dominiert eine wirtschaftliche Perspektive in der medialen Berichterstattung über KI oder werden vor allem ethische Fragen diskutiert? Wie sieht die Bevölkerung den Einsatz von KI-Anwendungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie? Wer twittert am häufigsten zu KI?

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Diese und viele weitere Fragen werden in den letzten Jahren häufig gestellt.
Erkenntnisse über die Einstellungen zu KI sind dabei keineswegs einheitlich: Laut Bitkom (2021) besteht in der Bevölkerung eine eher positive Grundhaltung gegenüber KI-Technologien. Die Zahlen verweisen darauf, dass KI von fast drei Viertel der Befragten ausschließlich oder mehrheitlich als Chance wahrgenommen wird. Lediglich 13 Prozent der Bundesbürger:innen nehmen KI dabei als Gefahr wahr. Das Eurobarometer (2020) zeigt, dass für etwa die Hälfte der Befragten (51 %) Maßnahmen seitens der Politik erforderlich sind, um einen ethischen Umgang mit KI zu gewährleisten. Eine große Mehrheit (80 %) der Befragten möchte darüber informiert werden, ob ein digitaler Dienst oder eine mobile Anwendung in verschiedenen Situationen KI nutzt. An anderer Stelle werden dagegen stärker die Risikobewertungen hervorgehoben. YouGov verweist auf eine negativere Wahrnehmung von KI in westlichen Ländern. Die Risikowahrnehmungen unterscheiden sich hier zwischen den spezifischen Anwendungsfeldern (YouGov, 2021). Jüngst berichtet die Bertelsmann-Stiftung von einer großen Wissenskluft in Deutschland, wonach weite Teile der Bevölkerung annehmen, nur begrenzt über Algorithmen und Künstliche Intelligenz Bescheid zu wissen, sowie die Folgen des Einsatzes kaum beurteilen zu können (Bertelsmann-Stiftung, 2022).

Für eine demokratieverträgliche Technikgestaltung sollten Entscheider:innen die Vorstellungen der Bevölkerung und (Zivil-)Gesellschaft allerdings kennen. Warum? Darauf gibt es zwei Antworten: Zum einen tendieren Menschen in Entscheidungspositionen zur Stärkung ihrer eigenen Position, indem sie einen persönlichen Eindruck „der öffentlichen Meinung“ heranziehen. Das kann folgenreiche Entwicklungen für den Einsatz und die Gestaltung von KI haben, etwa wenn basierend auf einem Gefühl öffentliche Gelder für die Förderung von KI-Forschung oder Weiterbildungsangebote für Bürger:innen ausgegeben werden. Unser Projekt MeMo:KI liefert als Gegenentwurf zu anekdotischem Wissen eine verlässliche Datenbasis.

Hierzu gehört neben der Bevölkerungsbefragung auch die Analyse der Medienberichterstattung zum Thema KI. Für die 32 reichweitenstärksten Print- und Onlinemedien wird monatlich berichtet, welche Top-Themen am stärksten in der Medienberichterstattung aufgenommen werden. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass in der Medienberichterstattung der thematische Fokus vor allem auf der ökonomischen Effizienzsteigerung durch KI liegt. Berichte über Chancen für den wirtschaftlichen Fortschritt überwiegen, Risiken werden hingegen weniger erwähnt (Fischer & Puschmann, 2021).

In verschiedenen Papieren von der Landes- bis zur EU-Ebene erheben die Institutionen außerdem den Anspruch auf eine am Menschen orientierte KI-Entwicklung, die ethischen Grundsätzen entspricht und kennzeichnen dies als Alleinstellungsmerkmal einer KI „made in Europe“. Ein solcher Rahmen ist jedoch kein Selbstläufer. Demokratie- und Sozialverträglichkeit ist nicht dadurch gesichert, dass politische Institutionen sie in Positionspapiere hineinschreiben. Nimmt die Politik ihre eigenen Forderungen ernst, ist sie auf die Unterstützung einer aktiven und aufgeklärten (Zivil-)Gesellschaft angewiesen, welche Ideen in die Gestaltung von Digitalisierungspolitik einbringen kann und vor allem deren Umsetzung einfordert. Andernfalls bleiben die Entwicklung sowie Implementierung von KI-Technologien der interessierten Industrie vorbehalten, deren primäres Ziel Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung sind. Der MeMo:KI untersucht daher in einer langfristig angelegten Untersuchung der öffentlichen und veröffentlichten Meinung, inwiefern die Bedingungen für eine Meinungsbildung zum Thema KI in der Bevölkerung gegeben sind und wie sich diese Bedingungen über die Zeit verändern.

Theoretischer Hintergrund

Methoden-
­kombination

Ziele
des MeMo:KI

Wer kommuniziert auf Twitter über KI?

Über das Projekt

Forschungspartner:
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Seit dem 01.04.2021 wird das Projekt von der Stiftung Mercator gefördert.

Vom 01.01.2020 – 31.03.2021 wurde das Projekt aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert.

Methodensteckbrief

Erhebungszeitraum Mai 2020 – April 2021

Erhebungszeitraum Mai 2021 – heute

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Forschungsergebnisse

Öffentliche Meinungsbildung

Wir beobachten die öffentliche Meinungsbildung in der Bevölkerung mittels einer monatlich stattfindenden Bevölkerungsbefragung.

Medienanalyse

Wir beobachten die veröffentlichten Meinungen zum Thema Künstliche Intelligenz über eine Analyse der Medienberichterstattung.

Twitter-Analyse

Wir beobachten die Vernetzung von Akteur:innen im Twitter-Diskurs durch eine halbjährliche Auswertung der Äußerungen über KI von Organisationen und Personen.

Aktuelles

Factsheets

Im Rahmen von Sonderbefragungen vertiefen wir im Projekt spezifische Fragestellungen und arbeiten diese (auch in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Institutionen) in Factsheets aus.

Künstliche Intelligenz im Kampf gegen die Corona-Pandemie

Was denkt die deutsche Bevölkerung über den Einsatz von KI zur Bekämpfung der Corona-Pandemie?

Bürger:innen differenzieren zwischen verschiedenen KI-Anwendungen. Insgesamt sind die Zustimmungswerte bei den meisten Anwendungen höher als für einen allgemeinen Einsatz von KI im Gesundheitswesen. KI-Anwendungen mit individuell zurechenbaren und existenziellen Folgen erfahren hingegen eine niedrigere Zustimmung.

Künstliche Intelligenz und Diskriminierung

Wie nimmt die Bevölkerung eine mögliche Gefahr der Diskriminierung durch KI wahr?

Diskriminierung durch Künstliche Intelligenz wird in der Bevölkerung allgemein nur als mäßiges Risiko wahrgenommen. Wenn es jedoch um negative wirtschaftliche Konsequenzen geht, wird der Einsatz von KI eher kritisch betrachtet. Viele Bürger:innen wünschen sich eine stärkere Regulierung von KI.

Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt

Wie nimmt die Bevölkerung den Einfluss von KI auf die Zukunft der Arbeitswelt wahr?

KI werden Chancen hinsichtlich des Arbeitsschutzes, der Anforderungen an notwendige Kompetenzen und der Arbeitsbelastung eingeräumt. Der Umgang mit Daten, die Pflege von sozialen Kontakten, das Einkommen oder Mitbestimmungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz könnten aus Sicht der Befragten unter einer Einführung von KI leiden.

Künstliche Intelligenz im Journalismus

Wie nimmt die Bevölkerung den Einfluss von KI auf die Zukunft des Journalismus wahr?

Der Einsatz von KI in journalistischen Redaktionen wird sehr kritisch betrachtet. Es wird kaum Verbesserung von journalistischer Qualität vermutet. Viele Bürger:innen sprechen sich für eine starke Regulierung von KI im Journalismus aus. Trotz des kritischen Urteils, erwarten die Bürger:innen, dass KI einige journalistische Aufgaben besser ausführen können als Journalist:innen.

Algorithmische Empfehlungssysteme

Was denkt die Bevölkerung über den Einsatz algorithmischer Empfehlungssysteme?

In vielen Anwendungsbereichen werden algorithmische Empfehlungssysteme als nützlich wahrgenommen. 67 Prozent der Befragten halten algorithmische Empfehlungssysteme allerdings für gar nicht oder nur wenig vertrauenswürdig. Die Verwendung personenbezogener Daten sehen die Befragten sehr kritisch.

Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz

Wie nimmt die Bevölkerung den ökologischen Fußabdruck von KI wahr?

KI wird eher als Lösung des Problems gesehen. Insgesamt deuten die Zahlen auf eine weit verbreitete Unkenntnis zum Zusammenhang von KI und ökologischer Nachhaltigkeit hin. Die Einhaltung ökologischer Ziele wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden.

Medienberichterstattung über Künstliche Intelligenz

Eine Themenanalyse der deutschen Medienberichterstattung über Künstliche Intelligenz

Die deutsche Medienberichterstattung über KI gliedert sich in 25 Themen auf. Diese sind zwar breit gefächert, es dominiert aber eine wirtschaftliche Perspektive auf KI. Der thematische Fokus unterscheidet sich dabei zwischen Mediengattungen. Darüber hinaus ist die Berichterstattung stark anlassgetrieben.

Grafik-Download

Im Rahmen unseres Projektes entstehen immer wieder Infografiken und Auswertungen, die Sie gerne kostenfrei runterladen und mit Verweis auf unser Projekt weiter veröffentlichen können. Wir freuen uns über Hinweise, wo Sie die Elemente veröffentlichen. Auch auf Twitter können Sie uns gerne verlinken @_MeMoKI.

Publikationen

Veröffentlichungen

Kieslich, K., Keller, B., & Starke, C. (2022). Artificial intelligence ethics by design. Evaluating public perception on the importance of ethical design principles of artificial intelligence. Big Data & Society, 9(1), 20539517221092956.

Kieslich, K., Keller, B., & Starke, C. (2021). AI-Ethics by Design. Evaluating Public Perception on the Importance of Ethical Design Principles of AI. Pre-Print verfügbar auf arXiv: https://arxiv.org/abs/2106.00326

Vorträge

Marcinkowski, F. (2022, Mai). Monitoring Public Opinion on AI. Vortrag im Workshop AI and the Common Sense, Nancy (23.-25.05.2022).

Kieslich, K. (2022, Mai). What Audience to Expect for Science Communication on AI? Vortrag im Theme Development Workshop „AI: Mitigating Bias and Disinformation“, Vision4AI (18.05.2022).

Lünich, M., Weinmann, C., Došenović, P. & Kieslich, K. (2022, Februar). KI in der politischen Kommunikationsforschung: Theoretische Perspektiven und empirsche Fragen. Workshop im Rahmen der 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (22.-24.02.2022).

Marcinkowski, F. (2021, Oktober). Der Mensch im Zentrum Lernender Systeme! Weiß er das? Vortrag im Rahmen KIT Science Week – ZAK Talks, Karlsruhe (9.-10.10.2021). Mitschnitt verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=NMiKvnVWpWI&list=PL0TmH52ybqIfPZCosPxt5PVz88I_Yf5Fd&index=8&t=771s

Kieslich, K., Došenović, P., Marcinkowski, F., & Keller, B. (2021, September). Artificial Intelligence: A promising future or a serious threat? An investigation into media coverage and public perceptions of AI in Germany. Präsentation in der Audience and Receptions Studies Section auf ECREA´S 8. European Communication Konferenz in Braga (07.-09.09. 2021).

Došenović, P. (2021, Mai). Die Beobachtung von KI in Arbeit und Gesellschaft. Mit welchen Indikatoren können wir die Verbreitung und die Effekte von KI messen und analysieren? Welche gibt es und welche brauchen wir noch? Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz „Algorithmen, Automatisierung und Arbeit – Wie KI unsere Arbeit und unser Leben besser machen kann.“ der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft, Berlin (19. – 20.05.2021)

Kieslich, K. & Došenović, P. (2021, Januar). Human-centered or economically driven? Monitoring public opinion on AI in Germany. Gastvortrag im London PUS Seminar, London (27.01.2021).

Literaturverzeichnis und Quellen

Bertelsmann-Stiftung. (2022, 29. April). Mehr Wissen, aber wenig Orientierung: Wie sich das Verhältnis Deutschlands zu Algorithmen und KI entwickelt hat. Algorithmenethik. Verfügbar unter https://algorithmenethik.de/2022/04/27/mehr-wissen-aber-wenig-orientierung-wie-sich-das-verhaeltnis-deutschlands-zu-algorithmen-und-ki-entwickelt-hat/

Bitkom e.V. (2021, 10. Dezember). Fast drei Viertel sehen Künstliche Intelligenz als Chance. Bitkom. Verfügbar unter https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Kuenstliche-Intelligenz-als-Chance

de Wilde, P. (2011). No Polity for Old Politics? A Framework for Analyzing the Politicization of European Integration. Journal of European Integration, 33 (5), 559-575.

Eurobarometer. (2020, 5. März). Gestaltung der digitalen Zukunft Europas: Eurobarometer-Umfrage zeigt Unterstützung für Nachhaltigkeit und Datenaustausch. Europäische Kommission. Verfügbar unter https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_20_383

Fischer, S., & Pushman, C. (2021). Wie Deutschland über Algorithmen schreibt. Eine Analyse des Mediendiskurses über Algorithmen und Künstliche Intelligenz (2005-2020). Bertelsmann-Stiftung.

Schattschneider, E.E. (1957). Intensity, Visibility, Direction and Scope. American Political Science Review, 51 (4), 933-942.

YouGov. (2021, 13. Dezember). Künstliche Intelligenz – die deutschen Verbraucher bleiben skeptisch. YouGov. https://yougov.de/news/2021/12/13/kunstliche-intelligenz-die-deutschen-verbraucher-b/

MeMo:KI – Beitrag im Magazin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Ausgabe 3, 2021

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